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In Deutschland leben über acht Millionen behinderte Menschen, knapp 80 Prozent davon gelten als schwer behindert. Ihnen sind allzu viele Internetseiten und Programmoberflächen wegen deren Gestaltung und Umsetzung nicht zugänglich. Dabei ließe sich oft mit wenig Mühe und gutem Willen Abhilfe schaffen.

Behinderte Menschen können viele Internetseiten und Programmoberflächen nur eingeschränkt nutzen. Zwar enthält der Aktionsplan der Kommission ?eEurope 2002 - eine Informationsgesellschaft für alle?, bereits die Vorgabe, dass behinderte Menschen die Informationen auf allen Webseiten des öffentlichen Sektors der Mitgliedstaaten und der europäischen Institutionen erreichen müssen. Leider entspricht die Realität den Zielen dieser Statements und Initiativen nur selten.

Mittlerweile sind zumindest Behörden der Bundesverwaltung beim Einrichten neuer Internetauftritte oder deren Überarbeitung verpflichtet, Vorkehrungen zu treffen, damit auch Behinderte das Informationsangebot nutzen können. Bereits bestehende Angebote sowie öffentlich zugängliche Terminals sollen bis zum Jahresende 2005 angepasst werden, es sei denn, sie richten sich speziell an Behinderte: In diesem Fall läuft die Schonfrist bereits Silvester 2003 ab. Doch nicht einmal die unter www.bundesgesetzblatt.de veröffentlichte Verordnung ist für Blinde im Internet ohne weiteres lesbar. Die PDF-Version bereitet manchen Screenreadern Schwierigkeiten, Kopieren und Drucken sind gesperrt.

Papiertiger

Während in den USA die Gleichstellung Behinderter seit 1998 fest in einem Gesetz verankert worden ist, hat der Bundestag erst im Frühjahr 2000 ein Gleichstellungsgesetz beschlossen. Dieses bleibt allerdings weit hinter dem US-Standard zurück. Doch auch jenseits des großen Teiches klaffen Theorie und Praxis auseinander: Zwar haben Behinderte dort die Möglichkeit, auf dem Klagewege ihr Recht auf Gleichstellung einzufordern. Wie aber das Ergebnis einer Auseinandersetzung, die der Erblindete Robert Gumson mit der US-Fluglinie Southwest Airlines geführt hat, zeigt, führt dies nicht automatisch zum Erfolg. Gumson wollte ein Exempel statuieren und die Betreiber der Fluglinie zwingen, ihren Internetauftritt so zu gestalten, dass auch Blinde sich dort zurechtfinden können.

Eine Bundesrichterin befand in ihrem Urteil jedoch, dass das Anti-Diskriminierungsgesetz nur Einfluss auf die reale Welt und nicht auf den Cyberspace habe. Das Gesetz sei für öffentlich zugängliche Räumlichkeiten wie Fahrstühle, Restaurants oder Kinos ausgelegt und lasse sich nicht einfach auf eine virtuelle Verkaufsoberfläche im WWW anwenden.

Doch Verbesserungen der Rahmenbedingungen stehen ins Haus: Mitte Dezember letzten Jahres hat das World Wide Web Consortium (W3C) seine Richtlinien für behindertengerechte Browser verabschiedet. Die User Agents Accessibility Guidelines 1.0 wenden sich zwar in ihrer Wortwahl ausdrücklich an die Entwickler von User Agents, also etwa Web-Browsern, doch die Regeln, die den Kern der Empfehlung ausmachen, beziehen sich gleichermaßen auf Zugangssoftware und auf den Inhalt, der damit dargestellt werden soll. Das umfangreiche Dokument findet sich im Internet unter www.w3.org/TR/UAAG10, es etabliert sich weltweit als Grundlage nationaler Initiativen.

Ein Beispiel daraus ist die Forderung, dass sich Inhalt und Browser mit unterschiedlichen Ein- und Ausgabegeräten vertragen müssen, etwa zur Sprachausgabe oder zur Wiedergabe in Blindenschrift. Die W3C-Anforderung, konfigurierbare Navigationsmechanismen für Wiedergabeprogramme vorzusehen, wirkt sich für Web-Autoren sogar stärker aus als für Software-Entwickler. Serielle Navigation, etwa durch aufeinander folgende Menüauswahlen, verlangt nämlich anders aufbereitete Inhalte als die gemeinhin bequemere Direktnavigation, etwa durch Hyperlinks oder eingetippte Vorgaben.

In Deutschland arbeitet das Fraunhofer Institut für Sichere Telekooperation in Sankt Augustin (SIT) an der Lösung dieses Problems. Seine Aktivitäten folgen einem einfachen Grundgedanken: Behinderte Menschen erstellen ein persönliches Profil, in dem sie Art und Grad ihrer Behinderung benennen. Rufen sie damit eine Internetseite - zum Beispiel einer Behörde - auf, konfiguriert der Server die Seiten entsprechend und schickt sie an den Behinderten. Das SIT hofft, in Jahresfrist ein Paket anzubieten, dass die Interaktion zwischen behinderten Nutzern und Webseitenanbietern auf diese Weise standardisiert.

Der Programmierer der Webseiten muss selbstverständlich für die Anpassung Sorge getragen haben. Der Vorteil dieses Verfahrens liegt nicht nur in der Standardisierung der Anfrage und der Möglichkeit, verschiedene Profile erstellen zu können - es berücksichtigt auch die Belange des Datenschutzes und die Übermittlung einer elektronische Signatur. Setzt sich das System durch, erhalten auch private und kommerzielle Webseitenanbieter einen Schlüssel, ihre Informationen behinderten Menschen zugänglich zu machen.

Gestalter und Programmierer von Webseiten, die sich dieser Initiative öffnen, müssen jedoch erst einmal ein Gespür dafür entwickeln, auf welche Probleme Behinderte stoßen, wenn sie Inhalte erfassen möchten, mithin Unkenntnis, fehlendes Vorstellungsvermögen oder mangelnde Betroffenheit überwinden.

Im Zeitalter der Multimedialität findet dies noch wenig Gehör - viel lieber ziehen Webdesigner die Register ihrer Kunst und schrecken gerne selbst nichtbehinderte Menschen durch Laufschriften, Pop-up-Fenster und verschwimmende Farben ab. Was können sie tun, um behinderten Menschen den Zugang zum Web zu erleichtern?

Umständlichkeiten

Viele Editoren nutzen Tastenkombinationen, bei denen drei Tasten gleichzeitig gedrückt werden müssen, oder Shortcuts bestehen aus zwei Tasten (wie Strg+S für Speichern, Strg+F für Suchen). Was für eine Gymnastikübung für Menschen, die nur eine Hand benutzen können! Für jede Software sollten sich daher Shortcuts individuell einrichten lassen.

Schwerhörige und taube Menschen möchten akustische Elemente auch als Text abrufen können. Dies können Untertitel oder gesonderte Seiten leisten. Sprachstörungen treten häufig in Kombination mit einer anderen Behinderung auf, wenn etwa Multiple Sklerose oder Autismus eingetreten sind. Der Inhalt eines Internetauftritts sollte für diese Gruppe von Behinderten so gestaltet sein, dass der Benutzer die Geschwindigkeit des Ablaufs auf seine individuellen Bedürfnisse hin einstellen kann.

Menschen mit geistiger Behinderung profitieren von kurzen und einfachen Inhalten. Stoßen sie auf Flash-Elemente und blinkende Animation, könnte dies sogar einen epileptischen Anfall auslösen.

Wer von einer Körperbehinderung betroffen ist, möchte sich per Tastatur durch eine Website navigieren können. Haben die Links aber eine ausreichende Schriftgröße, damit auch Menschen mit großen Bewegungseinschränkungen sie anklicken können, also etwa Schriftgröße 4 oder 5? Der Browser Opera bietet zum Beispiel eine Zoom-Funktion an.

Handlungsalternativen

Zweifelsohne erfordert die Gestaltung einer barrierefreien Webseite einen höheren Aufwand an Konzeption und Realisation als eine ?normale? Webseite. Für den Übergang genügen bereits kleine Lösungen, die schon vielen Behinderten einen einfacheren Zugang erlauben. Macht es so viel Mühe, einen gesonderten Auftritt zu erstellen, der auf Animationen, Flash und Ähnliches verzichtet?

Sicher lässt sich nicht jede Seite so gestalten, dass sie allen behinderten Menschen vollständigen Zugang gewährt. Wer aber guten Willens ist, wird viele ansprechende Gestaltungsmöglichkeiten finden, die auf die eingeschränkten Möglichkeiten vieler Zeitgenossen Rücksicht nehmen.

 

Dieser Artikel enhält Auszüge aus http://www.heise.de/ct/03/04/088/ Copyright © 2003, Heise Zeitschriften Verlag

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